Arbeiten · Eigenprojekt von Colora Design
Eine Anwendung, deren Bedienung selbst kein Reiz ist.
Eine Web-App für Menschen, deren Nervensystem Reize tiefer verarbeitet als das der meisten. Entstanden ist ein Begleiter, der bewusst weniger tut: gedeckte Farben, kurze Wege, keine Abzeichen, keine Serien – und alle Daten bleiben auf dem Gerät.
- Art
- Eigenprojektkein Kundenauftrag
- Leistung
- Konzept, Inhalte, UX,
Gestaltung, Entwicklungalles aus einer Hand - Umfang
- 10 Ansichten, 8 Module24 Schritte, 27-Fragen-Test
Warum es diese App gibt
Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen sind hochsensibel – ihr Nervensystem verarbeitet Reize gründlicher und tiefer. Das ist keine Krankheit, sondern ein Temperamentsmerkmal.
Für diese Menschen gibt es viele Ratgeber und wenig Werkzeug. Und die Apps, die es gibt, arbeiten meist mit genau den Mitteln, die Hochsensiblen am wenigsten guttun: Serien, die reißen können. Rote Zähler. Erinnerungen, die drängen. Bildschirme voller Entscheidungen.
Die Aufgabe war deshalb keine gestalterische, sondern eine Entscheidungsfrage. Jede Funktion, jede Farbe und jede Animation wurde an einem einzigen Kriterium gemessen: Erzeugt das Stress? Wenn ja, fiel sie raus – auch wenn sie sich gut verkauft.
Die Leitlinien, die daraus wurden
- Gedeckte, warme Farben. Kein reines Weiß, kein reines Schwarz, keine grellen Kontraste.
- Keine Gamification. Kein Streak, kein Tagessoll, keine roten Abzeichen, keine Druck-Sprache.
- Wenige Entscheidungen pro Bildschirm, großzügiger Weißraum, begrenzte Zeilenlänge.
- Ruhige, langsame Übergänge – und Respekt vor der Systemeinstellung für reduzierte Bewegung.
- Große Tippflächen, klare Beschriftungen, keine Überraschungen.
- Fehlermeldungen freundlich formuliert: „Versuch es in Ruhe noch einmal.“
Abendlicht: Farbe, Schrift, Ruhe
Die Farbwelt heißt Abendlicht. Leinen als Grund, Erde für den Text, Salbei für alles Handelnde, Abendsonne als warmer Akzent.
Kein reines Weiß, weil es auf dem Bildschirm sticht – die Karten liegen auf einem leicht wärmeren Ton als der Hintergrund, sodass Tiefe ohne harte Kanten entsteht.
Bei den Schriften trifft Gefühl auf Funktion: Überschriften in Lora, einer Serifenschrift mit ruhigem Charakter. Fließtext in Atkinson Hyperlegible, die das Braille Institute ausdrücklich für gute Lesbarkeit entwickelt hat – ähnliche Buchstaben wie I, l und 1 sind darin klar unterscheidbar.
Das Dashboard beginnt nicht mit Zahlen, sondern mit einer Begrüßung, dem Datum und einem einzigen Status. Der Verlauf der letzten sieben Tage steht daneben, nicht darüber. Und weil es Momente gibt, in denen niemand mehr suchen mag, ist die Ruhe-Insel von jeder Seite aus mit einem Griff erreichbar – ein ruhiger Knopf, der immer am Bildschirmrand bleibt.
- LeinenGrund
#f8f1e6 - ErdeText
#403931 - SalbeiHandeln
#55654a - AbendsonneAkzent
#8a5731
Was die Anwendung kann
Zehn Ansichten, die sich alle an dieselbe Regel halten: eine Aufgabe pro Bildschirm, und nichts, was antreibt.
Selbsttest
Die HSP-Skala mit 27 Aussagen nach Elaine N. Aron, jede mit einer kurzen Erläuterung. Das Ergebnis kommt nicht als nackte Zahl, sondern eingeordnet: eine Skala mit drei Zonen und ein Profil aus drei Bereichen.
Programm
Acht Module mit insgesamt 24 Schritten, jeder aus kurzem, belegtem Wissen und einer konkreten Übung. Empfohlen ist ein Modul pro Woche – ein Tempo-Soll gibt es ausdrücklich nicht.
Tagebuch
Ein Check-in in unter einer Minute: Stimmung, Reizbelastung, Schlaf, dazu eine Ampelzone und zwei freie Felder. Daraus wächst eine Verlaufskurve und ein Wochenrückblick, der Muster benennt, sobald genug Einträge da sind.
Kraftquellen
Über 50 Ideen in sieben Kategorien, von „Natur & Erdung“ bis „Abend & Schlaf“. Was passt, wird markiert und erscheint danach täglich auf dem Dashboard – alles umbenennbar, löschbar und wiederherstellbar.
Ruhe-Insel
Zwei Minuten geführte Atmung im Rhythmus vier Sekunden ein, acht Sekunden aus. Dazu Soforthilfen für den Fall, dass Atmen gerade nicht reicht.
Wissen und mehr
Acht Artikel mit Kurzfassung in der Randspalte. Dazu Gedankenprotokoll, Vorlesefunktion, mehrere Konten mit optionaler PIN und ein Datenexport.
Eine Datei, kein Server
Die gesamte Anwendung ist eine einzige HTML-Datei. Kein Framework, kein Build-Prozess, keine Abhängigkeiten, keine Datenbank.
Warum eine Datei
Das war keine Sparmaßnahme, sondern eine Entscheidung: Was in einer Datei liegt, lässt sich verstehen, weitergeben und in zehn Jahren noch öffnen.
Datenschutz folgt daraus
Es gibt keinen Server, an den etwas gesendet werden könnte. Alle Eingaben liegen im lokalen Speicher des Browsers, getrennt nach Konto. Keine Anmeldung, keine Cookies, kein Tracking. Umgekehrt wandert auch nichts von allein auf ein zweites Gerät: Wer vom Rechner aufs Handy wechselt, nimmt seine Daten als Datei mit – bewusst und sichtbar statt automatisch und unbemerkt.
Barrierefreiheit
Die Farbkontraste sind auf WCAG-Stufe AA entwickelt und mit einem eigenen Prüflauf über alle Seiten und Bildschirmbreiten gemessen. Vollständig mit der Tastatur bedienbar.
Von 320 Pixeln aufwärts
Die Anwendung funktioniert vom kleinen Handy bis zum großen Monitor ohne seitliches Scrollen. Bewegung wird abgeschaltet, wenn das System darum bittet.
„Die schwerste Entscheidung war, was alles nicht hineinkommt. Kein Streak, kein Tagessoll, keine Erinnerung, die drängt. Bei dieser Zielgruppe ist jedes Feature, das antreibt, ein Feature, das schadet.“
Leise stark ist Selbsthilfe und ersetzt keine Diagnostik und keine Psychotherapie. Das steht nicht im Kleingedruckten, sondern in der Fußzeile jeder Seite der Anwendung. Die Hinweise für akute Krisen sind aus jeder Ansicht in einem Schritt erreichbar.
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Am hilfreichsten ist der Satz „Jedes Mal, wenn …, muss ich …“. Daraus wird meistens schnell klar, worum es geht.